Das Schweigen der Steine
Katalogtext zum Bild
Drei Gestalten treten aus der Dunkelheit hervor.
Ihre Augen übermalt, ihre Münder versiegelt –
ein stummes Geschrei, das sich nicht in Worte fassen lässt.
Sie wirken wie Schatten, gebunden an eine Mauer aus Ziegeln,
errichtet aus Regeln, Dogmen, Grenzen.
Und doch: Zwischen den Linien, im Chaos der Farben,
blitzen Worte auf, kaum lesbar und doch unübersehbar:
„Werte“ – „Liebe“ – Fragmente einer Hoffnung,
die nicht ausgelöscht werden kann.
Links am Bildrand tauchen poetische Sätze auf:
„Viele bunte Steine ruhen im zerbrechlichen Gefäß der Welt.“
Es sind Worte, die vom Menschsein erzählen,
von der Fragilität unserer Existenz
und von der Kraft, die sich im Gemeinsamen offenbart.
Das Bild ist Anklage und Trost zugleich.
Es zeigt das Verstummen, das unsere Gesellschaft erfasst –
Menschen, die schweigen, weil ihnen die Stimme genommen wird.
Doch es verweigert sich der totalen Finsternis.
Immer wieder bricht Farbe durch:
Grün wie Hoffnung, Blau wie Weite, Rot wie Liebe.
„Das Schweigen der Steine“ ist kein Bild, das still betrachtet werden will.
Es fordert Auseinandersetzung.
Es wirft Fragen auf:
Was bedeutet es, wenn Werte pervertiert,
wenn Liebe verschüttet,
wenn Stimmen ausgelöscht werden?
Und was bleibt, wenn dennoch Worte aufscheinen,
trotz aller Schwärze?
Dieses Werk lädt ein, nicht nur hinzusehen,
sondern sich einzulassen –
auf die Brüche, die Schreie, die Schatten.
Und auf das leise, unzerstörbare Versprechen,
dass selbst im dunkelsten Schweigen
ein Licht verborgen liegt.
@ Bernhard Brandstätter Colin